Flatteriger Geist
Tagträume machen unglücklich
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Das Leben im Hier und Jetzt macht glücklicher als ständiges Tagträumen, haben zwei US-Forscher nachgewiesen. Trotzdem verbringt der Mensch nur etwa die Hälfte seiner wachen Stunden damit, sich auf seine aktuelle Aufgabe zu konzentrieren – die andere Hälfte lässt er seine Gedanken schweifen und grübelt über Erlebnisse aus der Vergangenheit nach, denkt an die Zukunft oder sinniert über Dinge, die nie passieren werden. Entdeckt haben das die Wissenschaftler mit Hilfe eines kleinen Programms für Mobiltelefone, mit dem sie wiederholt das aktuelle emotionale und geistige Befinden einer Gruppe von Probanden registrierten. Überraschend sei nicht nur die Häufigkeit gewesen, mit der die Teilnehmer ihre Gedanken wandern ließen, sondern auch die Entdeckung, dass dieses Tagträumen eindeutig unglücklich macht, fanden Matthew Killingsworth und Daniel Gilbert von der Harvard University heraus.
Die Wissenschaftler benutzten für ihre Studie ein eigens entwickeltes Programm, mit dem sie per Mobiltelefon mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und aus verschiedenen Altersgruppen zu willkürlichen Zeitpunkten Kontakt aufnehmen konnten. Die Studienteilnehmer mussten bei jedem Anruf drei Fragen beantworten: “Wie fühlen Sie sich?”, “Was machen Sie gerade?” und “Denken Sie gerade an etwas anderes als an das, was Sie tun?”. Die Antworten landeten in einer Datenbank, in der insgesamt über 250.000 Datensätze gespeichert wurden. Für die aktuelle Untersuchung werteten die Wissenschaftler daraus die Informationen von 2.250 Erwachsenen zwischen 18 und 88 Jahren aus.

Der Geist ist sehr flatterhaft, und Gedanken schweifen schnell ab. (Rupert Ganzer/flickr.com)
Die Studie zeigt deutlich, dass der menschliche Geist sehr unstet ist: Fast die Hälfte des Tages verbrachten die Probanden damit, an Dinge zu denken, die gar nichts mit dem zu tun hatten, was sie gerade taten. Dabei hatte die Art der Tätigkeit so gut wie keinen Einfluss darauf, wie viel oder wohin die Gedanken schweiften. Zudem macht der wandernde Geist eindeutig unglücklich, entdeckten die Wissenschaftler: Menschen, deren Gedanken abdriften, sind weniger zufrieden als solche, die sich konzentrieren – ganz egal, welcher Art die Tätigkeit ist. Somit können selbst angenehme Beschäftigungen die Laune verderben, wenn man nicht bei der Sache ist.
Eine weitere Analyse legt nahe, dass tatsächlich das Abschweifen der Gedanken zur schlechteren Stimmung führt – und nicht umgekehrt, dass sich jemand gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt, weil er unzufrieden ist. Zwar neige man eher dazu, sich in angenehme Tagträume zu katapultieren statt unangenehmen Gedanken nachzuhängen. Doch auch wenn die Gedankenwelt noch so anziehend erscheint, macht sie nicht glücklicher, berichten die Wissenschaftler.
Alles unter Kontrolle – Glück garantiert
Was die Forscher allerdings nicht verraten: Wie es möglich ist, den unsteten Geist zu fixieren. Dass der nicht leicht zu zähmen ist, erkannte schon der große Krieger Arjuna vor knapp 5.000 Jahren: In der Bhagavad-gita – Teil des berühmten Sanskritepos “Mahabharata” – sagt er, dass selbst der Wind leichter zu bezwingen sei als der flackerhafte Geist. Der Grund: Zorn, Neid, Lust, Gier und Illusion attackieren den Geist unentwegt und zwingen ihn, sich ihrem Diktat zu unterwerfen. Denn seine Feinde sind stark.
Sie entstehen, wenn die Sinne unkontrolliert sind: Manchmal genügt schon ein Blick – und Lust und Wünsche lassen nicht lange auf sich warten. Um die Sinne zu befriedigen, werden schließlich Pläne geschmiedet – mal mit mehr, mal mit weniger Energieaufwand. Doch egal, wie groß das Vorhaben ist: Es passiert nur allzu oft, dass selbst die besten Pläne nicht aufgehen und gehegte Erwartungen unerfüllt bleiben. Dann ist die Enttäuschung groß und der Zorn nicht weit. Ein Problem, dem sich Yogis und Weise stellen.
Nach den Lehren der Bhagavad-gita gibt es zwei Wege, den Geist in Zaum zu halten: Astanga-yoga und Bhakti-yoga. Während im Astanga-yoga der Weg über schwere Entsagungen und körperliche Übungen führt, wird der Geist im Bhakti-Yoga darin geschult, seine Aufmerksamkeit auf Krishna – Gott – zu richten. Ziel beider yoga-Praktiken ist es letztlich, die Sinne zu kontrollieren. Sind die beherrscht, hat sich die Sache mit dem Glück von selbst erledigt. Denn die Bhagavad-gita lehrt, dass wahrhaftes Glück nur derjenige findet, der den Geist zu beherrschen vermag. Ein solcher Yogi ist vollkommen ausgeglichen: Er sieht sowohl Glück als auch Leid, Hitze und Kälte sowie Ehre und Schmach als das gleiche – und befindet sich damit jenseits jeglicher Dualitäten.
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Die fortschreitende Entartung der menschlichen Gesellschaft hat ihre Ursache darin, dass die Menschen die Prinzipien ablehnen, die einen zur Erkenntnis Gottes führen.


Hallo,
ich finde den Artikel sehr inspirierend! Könnten Sie mir vielleicht sagen wie der Originaltitel der im Artikel erwähnten Studie lautet oder wo das Paper veröffentlicht wurde? Vielen Dank!
Lg Johannes
Hallo Johannes,
die Studie “A Wandering Mind Is an Unhappy Mind” erschien in “Science”.
Link zum Abstract: http://www.sciencemag.org/content/330/6006/932.abstract
Vielen Dank!
Herzliche Grüße,
Peggy Freede